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Kunst kommt von...

Aktiv und offensiv! Spinn in Cafés, in der Bahn, bei langer Wartezeit auf der Post. Stifte ganze Gruppen dazu an, ihrer Spinnlust in aller Öffentlichkeit zu frönen.
Du strickst oder häkelst Graffitis? Auch damit bist Du hier richtig.

Kunst kommt von...

Beitragvon TrashQueen » Fr 9. Okt 2009, 08:13

... tja, woher eigentlich?

Ich möchte hier eine Diskussion zum Thema "warum Guerilla-Knitting/Guerilla-Spinning" anregen. Ich bin im Thread "O wie... orangener Oktober" gekommen, ich habe da festgestellt, dass viele das Thema gut finden, aber nicht so recht den Finger drauflegen können, was sie daran so reizt. Wenn ihr mögt ist hier der Platz, da ein bisschen nachzubohren.
Ich bin schon sehr gespannt! :)

Ich hab ein bisschen überlegt, und für mich liegt der Reiz einerseits darin, im öffentlichen Raum gestaltend zu sein: Ich bin auch Graffittis, Stencils und Paper Art sehr zugetan. Ich mag Street Art einfach sehr gern. Man kann die Leute zum Nachdenken bringen, öffentlichen Räumen neue Bedeutung hinzufügen, sie kennzeichnen, umdefinieren, transformieren. Irgendwie fast schon magisch.

Zweitens mag ich den Kontrast typisch männlich - typisch weiblich. Spinnen, stricken, häkeln, das ist ja fast schon prototypisch Klischeeweiblich. Street Art ist mit seiner aggressiven, invasiv-zerstörerisch gestaltenden Art eine sehr männliche Domäne. Und das zu kombinieren, wie geil ist das denn!?

Joa... Das sind so meine Gedanken dazu.

Bin sehr gespannt auf eure! :)

*wink*
TQ
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon Weird » Fr 9. Okt 2009, 08:40

Ich muss gleich los, deswegen nur ganz kurz:

Ich finde es sehr reizvoll, die oftmals belächelten Handarbeiten zu nehmen und nicht nur an die Öffentlichkeit zu tragen, sondern was ganz neues mit den Techniken zu machen. Sozusagen das Traditionelle aus dem Traditionellen zu entfernen und in einen neuen Kontext zu stellen, modern zu machen, drauf aufmerksam zu machen.

Ich muss ehrlich gestehen, dass aber gerade Stricken in der Öffentlichkeit für mich oft eine Überwindung ist, weil es eben so klischeeweiblich ist und weil ich es hasse, Klischees zu bedienen. Ich weiß, dass das genauso einengend ist wie das Klischee selbst, immerhin sollten wir tun, was uns Spaß macht, egal, wie es angesehen wird. Deswegen tu ich's auch trotzdem - aber ich muss mich eben schon in den Hintern treten (vor allem, wenn mein Mann daneben sitzt und mit seiner Kamera rumspielt - dann sieht das so richtig nach ausgelutschten Geschlechterrollen aus). Aber gerade etwas abgefahrenes zu machen und z.B. einen Laternenmast zu "umgarnen" (;-)) ist eben wieder so anders, dass ich sozusagen auch für mich selbst das Bild des handarbeitenden Hausmütterchens umwerfen kann. Ich mache nicht nur andere Leute aufmerksam, sondern erlaube mir selbst einen neuen Blickwinkel.

Vielleicht später mehr *eilig davonhüpf*
Liebe Grüße,
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon TrashQueen » Fr 9. Okt 2009, 15:27

Weird hat geschrieben:Ich finde es sehr reizvoll, die oftmals belächelten Handarbeiten zu nehmen und nicht nur an die Öffentlichkeit zu tragen, sondern was ganz neues mit den Techniken zu machen. Sozusagen das Traditionelle aus dem Traditionellen zu entfernen und in einen neuen Kontext zu stellen, modern zu machen, drauf aufmerksam zu machen.


Stimmt! Das ist ein guter und wichtiger Aspekt.

Ich muss ehrlich gestehen, dass aber gerade Stricken in der Öffentlichkeit für mich oft eine Überwindung ist, weil es eben so klischeeweiblich ist und weil ich es hasse, Klischees zu bedienen. Ich weiß, dass das genauso einengend ist wie das Klischee selbst, immerhin sollten wir tun, was uns Spaß macht, egal, wie es angesehen wird.


Ahhja, das kenne ich. Aber ich denke, man kann Stereotype nicht in den Köpfen der Menschen ändern, sondern nur in der Welt, mit seinen eigenen Aktionen. Und wenn man es schafft, sich aus stereotypem Verhalten zu befreien, sollte man nicht die (vermutet) stereotypen Denkmuster anderer Menschen voraussetzen, um sein Verhalten dann nochmal anzupassen... Einerseits gibt das auch wieder nur Gehirnmatsche, weil man sich im Kreis dreht. Dann tut man möglicherweise anderen Leuten Unrecht, die gar nicht in Stereotypen denken, obwohl man's von ihnen erwartet - und zuletzt schränkt man sich, wie du schon sagst, selbst ein.
Ich denke, wenn man mit den Widersprüchen in seinem eigenen Leben seinen Frieden gemacht hat, kann man auch in sich ruhend klischeeweibliche Dinge gut finden oder machen. Ich schminke mich auch und habe einen irren Spaß daran! Na und? Ich mag das, unabhängig von weiblichen "man muss soundso aussehen"-Klischees.

Und klar: Das IST anstrengend. Weil man nicht zuletzt damit konfrontiert wird, dass nicht alle Menschen aufgeklärt und emanzipiert sind, dass man mit seinen eigenen Änderungen im Kopf und im Handeln nicht die ganze Welt ändern kann, dass man an Grenzen stößt und abgewertet wird, obwohl man für sich schon beschlossen hat, dass es keine Abwertung ist, etwas weibliches zu tun, ebensowenig, wie etwas männliches zu tun.

Denn seien wir mal ehrlich: Als Frau wirst du von Leuten, die dich abwerten wollen, eh abgewertet: Entweder du bist eine blöde Emanze, die ja schon ein halber Mann ist (iiiih!), oder du bist ein Hausmütterchen, das den ganzen Tag rumfaulenzt und nix drauf hat, oder du bist eine dumme Gebährmaschine, die zu blöd zum Verhüten ist, oder du bist eine doofe Tippse, die zu dumm zum Studieren war, aber auch keinen Mann hat, der sie versorgt, oder du bist eine Karriereschlampe, der es nicht richtig besorgt wird... Du hast die freie Auswahl.
Aber diskriminieren kann dich jede/r, der oder die will.

So, das von mir. :)

*wink*
TQ
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon Weird » Fr 9. Okt 2009, 18:43

*knutscha*
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon Aud » Fr 9. Okt 2009, 22:35

Ich kann's nicht wirklich wirklich definieren. Kunst hat für mich was mit Können zu tun. Und wenn es nur das Können ist, jemanden dazu zu bringen, sich aufzuregen, dass das Erschaffene doch wohl keine Kunst ist.

Und überhaupt und sowieso mal zu den Klischees: Ist es nicht wunderbar, wenn man jemanden in eine Schublade stecken kann, rein und zu, das macht das Leben doch so einfach...
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon TrashQueen » Sa 10. Okt 2009, 10:32

Nö, sehe ich auch so, Aud. Wenn vermeintliche Kunst es gerade mal schafft, dass sich Leute aufregen, ist das für mich auch keine Kunst, sondern Provokation. Das hat für mich was von Vorankündigung, sowas von "guckt mal alle, hier bin ich" - ohne dass was danach kommt. Platt halt.

Also genau das soll's für mich nicht sein. Ich würde es schade finden, eine so tolle Aktion auf diese Weise vertreichen zu lassen.

*wink*
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon Anna » Sa 10. Okt 2009, 17:56

Zum Thema Kunst - alles, was mit weiblichen Handarbeiten zu tun hat, tut sich schwer, als Kunst anerkannt zu werden. Einfach, weil es von so vielen Leuten als miefig und spießig empfunden wird. Komischerweise bin ich im Umfeld von Leuten, die selbst - auf anderem Gebiet - künstlerisch tätig sind, auf die wenigsten Vorurteile gestoßen. In dem Atelier, in dem meine Tochter früher gemalt hat, hat mich zum Beispiel niemand belächelt, wenn ich mit der Spindel ankam. (Na ja, wenn mich einer von den Malern gefragt hätte: "Warum kaufen Sie die Wolle nicht fertig?" hätte ich geantwortet: "Warum fotografieren Sie nicht, statt zu malen?" - aber es hat keiner gefragt 8-) )
Ich zeige auch manchmal Wolle in meinem Lieblings-Autorenforum. Dort sitzen Leute, die schreiben, und keiner von denen findet mich komisch.
Nein, wer mich witzig oder albern findet, das sind die ganz normalen bürgerlichen Leute, die einen vernünftigen Beruf ausüben. Die fragen, warum ich meine Zeit mit so was verplempere. Kunst, das ist für solche Leute ohnehin eher so was, was fünfstellige Summen auf Auktionen bringt ...
Im übrigen lege ich keinen Wert darauf, als Künstlerin angesprochen zu werden; beim Textilen ohnehin nicht, aber auch beim Schreiben nicht - ich sage immer, ich bin Geschichtenerzählerin. Aber dass ich meine Zeit verplempere und lieber was Nützliches tun soll, das will ich auch nicht unbedingt gesagt kriegen ...
Schönen Gruß von Anna
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Re: Kunst kommt von...

Beitragvon Die Weber spinnt » So 11. Okt 2009, 07:59

Ich denke, es gibt den Unterschied zwischen Kunst und Handwerk(Handarbeit). Klar, wenn man Beuys heißt, dann kann man auch ne Badewanne einfetten und weil alle kopfschüttelnd davor stehen, ist es eben gleich Kunst. Bei mir daheim wär's nur ne versaute Wanne :-(
Mein persönlicher Geschmack geht da tatsächlich eher in die Richtung derer, die zur Krativität auch das handwerkliche Können haben.

Schade find ich es, wenn Hobbykünstler/-handwerker (ich nenn sie mal so; ihr wisst, wie ich das meine) ihre Sachen nicht richtig machen. Im Sinne von: wenn ich mir schon die viele Mühe mache, dann richtig. Beispiel: Maschenmarkierer machen, aber keinen Federdraht benutzen und die Dinger brechen irgendwann auseinander. Ja, ich weiß, vielleicht kennt nicht jeder Federdraht, aber nachdem mir der dritte gerissen ist, muss ich doch auf die Idee kommen, nach einer stabilieren Lösung zu suchen, nicht wahr? Oder: Sockenstricken, aber keine Geduld für einen vernünftig langen Schaft haben. :roll: Ich hab mal ne Seite gefunden von einer, die wie ich mit Pferdehaar hitcht. Da blieb mir echt der Mund offen stehen, weil die so irre tolle Sachen kann. :o Leider hat sie aber total schlechtes, ungeeignetes Leder dran gemacht und das auch noch völlig dilletantisch - ich rauf mir jedesmal die Haare, wenn ich das sehe; das muss man doch selbst sehen, dass das alles kaputt macht? Andererseits heißt es aber auch: jeder wie er will und vielleicht gefällts ihr ja. Da bin ich selbst wohl die, die sich an die Nase fassen und ein bisschen weniger perfektionistisch sein muss...

Aber es ging doch um Gorilla-stricken/-spinnen.
Ich find das wirklich witzig, aber oft sieht es aus, als hätte jemand einen alten Fummel entsorgt. Ich glaube, wenn man einen Laternenmast bestrickt, dann sollte man schon den ganzen umstricken und nicht nur einen halben Meter. Hier stehen so Pöller rum, die haben oben als Abschluss eine Kugel. Ich könnte mir vorstellen, alle Kugeln zu bestricken: dann sieht man, dass das Absicht ist und nicht jemand eine gefundene Mütze darüber gestülpt hat, damit der Besitzer sie wiederfindet.

Und noch zum Schluss:
stricken in der Öffentlichkeit macht mir gar nichts. Ich hab schon früher im Schulbus gestrickt (da war das so richtig in) und wenn mich das Schicksal (mein Chef) heute noch in Bus oder Bahn zwingt, dann geht das gar nicht ohne Strickzeug. Ich hab auch nicht das Gefühl, dann schief angesehen zu werden. Im Gegenteil: oft ergibt sich daraus auch ein Gespräch.

LG,
Dags
*die Karriereschlampeemanzentippse die hervorragend kochen kann*
Wundern Sie sich nicht, wenn sie Klein heißen und groß sind:
es gibt auch Menschen, die Weber heißen und Spinner sind!
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